„Medienstandort Mainz kann international mithalten“



Hochkarätiges Podium beim 21. Mainzer Medienforum

„Die Verbindung aus der starken IT-Gründerkultur und den ansässigen Medienunternehmen wird in Zukunft der große Wettbewerbsvorteil des Medienstandorts Mainz sein“, prognostizierte Gastreferent Prof. Dr. Boris Alexander Kühnle, Medienökonom an der Hochschule der Medien in Stuttgart, und erntete dafür rundum zustimmendes Kopfnicken. Unter anderem von IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz, der zuvor die Gäste des 21. Mainzer Medienforums im Rheinhessensaal der IHK in Mainz begrüßte.

Professor Kühnle hat verschiedene europäische Medienstädte auf erfolgversprechende
Standortfaktoren hin untersucht. Im Ergebnis hat er dabei zehn Faktoren ausgemacht, die für den Erfolg eines Medienstandortes ausschlaggebend sind. Unterteilt wurden diese in die Kategorien „Förderung“, „Architektur“ und „Aufenthaltsqualität“. Laut einer Statistik des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie war die Medien- und Kreativwirtschaft mit einer Bruttowertschöpfung von 66 Mrd. Euro bereits 2013 der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland.

Flexible Mietmodelle, Arbeitsatmosphäre und Vernetzung besonders wichtig

„Beim Thema Förderung geht es zum Beispiel um flexible Angebote bei der Mietdauer“, sagt Kühnle. Denn häufig könnten die Unternehmen der Medien- und Kreativwirtschaft die Auftragslage nicht so weit vorausplanen, wie es beispielsweise bei einem Industriebetrieb möglich sei. „Hier ist es Aufgabe der Politik, entsprechende Angebote zu unterbreiten.“

Auch das richtige Arbeitsumfeld und die richtige Atmosphäre seien für die Kreativ- und Medienschaffenden wichtig. „Bei unseren Branchenumfragen hat sich gezeigt, dass eine architektonisch ansprechende Arbeitsumgebung und ein Bekenntnis zur Historie des Standorts wichtig sind.“ Untersuchungen zeigten zudem, dass das Wirtschaftswachstum und die Ansiedlung von Hochtechnologie an einem Standort auch durch das Vorhandensein von Kreativwirtschaft positiv beeinflusst werden.

Besonders wichtig sei auch die Vernetzung innerhalb des Standortes. Das gelte vor allem branchenübergreifend. „Die Medien- und Kreativwirtschaft ist stark technologieorientiert. Die Tatsache, dass es in Mainz eine starke Gründerszene im IT-Bereich gibt, wird der Wettbewerbsfähigkeit des Medienstandorts Mainz zugutekommen“, so Kühnle. Insgesamt stellt der Medienökonom der Stadt ein gutes Zeugnis aus: „Im internationalen Vergleich kann Mainz als Medienstandort absolut mithalten“.

Laut Branchenstatistik der IHK für Rheinhessen gibt es im Mainzer Raum derzeit etwa 630 Medien- und Kreativunternehmen, die 16.000 feste und 8.000 freie Mitarbeiter beschäftigen. Zudem fanden seit 1995 ungefähr 44 Prozent der Gründungen in diesem Wirtschaftszweig statt. „Die wirtschaftliche Stärke der gesamten Branche ergibt sich häufig aus der Summe der Wirtschaftskraft der vielen kleineren Betriebe und das ist auch in Mainz so“, erklärt Kühnle.

Raab: Standortvorteil liegt in der Vielfalt / Frey: Kirchturmdenken aufgeben

Diese Auffassung teilt auch Staatssekretärin Heike Raab, Bevollmächtigte des Landes für Medien und Digitales. In einer hochkarätig besetzten Talkrunde hob sie die Bedeutungder hier ansässigen Medien hervor: „Hier in Mainz gibt es nicht nur die großen öffentlichrechtlichen Anstalten und die Verlagsgruppe Rhein-Main, sondern auch weitere privatrechtliche TV- und Hörfunksender.“ Dies sei ein klares Zeichen für die Attraktivität des Medienstandortes. Anschließend ging auch die Staatssekretärin auf die Bedeutung der Vernetzung von Medien und IT ein. Dabei betonte sie, dass Rheinland-Pfalz bei der Gründerquote den Spitzenplatz unter allen Flächenländern einnehme. „Wir werden als erstes Bundesland ein eigenes Digitalkabinett ins Leben rufen, um Vorreiter beim Thema Digitalisierung zu werden. Davon wird zukünftig auch die Medienbranche im gesamten Land profitieren.“

ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey hingegen sieht vor allem bei der Frage der Standortattraktivität noch Nachholbedarf: „Wenn ich einem unserer Mitarbeiter, zum Beispiel in Berlin, einen Wechsel auf den Lerchenberg anbiete, dann bricht der meistens nicht gleich in Jubel aus“. Zur Erhöhung der Standortattraktivität müsse man deshalb das Kirchturmdenken aufgeben. „Ich sehe das genauso wie der IHK-Hauptgeschäftsführer: Wir müssen Rhein-Main stärker als eine Region denken.“

In diesem Zusammenhang kritisierte ein Veranstaltungsbesucher des Marketing-Club Mainz-Wiesbaden e.V., dass es allein schon an einer guten Vernetzung von Mainz und Wiesbaden fehle. Vor allem die Städte seien in der Pflicht in diesem Bereich bessereAngebote zu machen. Dem trat Dr. Oliver Kemmann, Vorsitzender des IT-Klub Mainz & Rheinhessen e.V., entgegen: „Meine Erfahrung ist, dass die Stadt Mainz im Rahmen ihrer Möglichkeiten vieles für eine gute und stadtübergreifende Vernetzung unternimmt.“ Beispielsweise sei das Medienbüro der Stadt sehr aktiv.

Vernetzung ist auch für die Vizepräsidentin der Hochschule Mainz, Prof. Dr. Andrea Beyer ein zentrales Thema. „Universität und Hochschule werden zukünftig bei denMedienwissenschaften noch enger kooperieren und somit die Vernetzung innerhalb der Wissenschaft hier in Mainz weiter vorantreiben. Darüber hinaus muss auch der Wissenstransfer in die Unternehmen und der dauerhafte Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik weiter forciert werden.“

Die Initiative Mainzer Medienwirtschaft wird am 30. Juni in einem weiteren Medienforum Kriterien einer erfolgreichen Standortpolitik im Bereich Medien thematisieren. Unter anderem diskutieren die SWR-Landessenderdirektorin Dr. Simone Schelberg, der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling und Professor Sven Pagel von der Hochschule Mainz. Das Impulsreferat hält Universitätsprofessor Dr. Thomas Hess. Er
präsentiert am Beispiel des Medienstandortes München Kernpunkte seiner SWOT-Analyse und die sich daraus ergebenden Folgerungen.

Zu der Veranstaltung, die am 30. Juni um 17 Uhr in der IHK für Rheinhessen stattfindet, lädt die Initiative Mainzer Medienwirtschaft alle Interessierten herzlich ein.

aus der Pressemitteilung der Bestfall GmbH vom 09.06.2016

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